Entstehungsgeschichte der "Naturbäder"

Wie sind die Naturbäder und die, die heute als solche bezeichnet werden, entstanden?

"Wie haben sich die Bademöglichkeiten, die als Ersatz für Freibäder angepriesen werden, entwickelt?

Zuerst wurden künstlich hergestellte in sich komplett abgedichtete Badeseen hergestellt, die zum Teil zum Baden freigegeben wurden. Noch heute gilt für Naturbäder, dass höchstens 20 % der Gesamtwasserfläche zu Badezwecken freigegeben werden dürfen. (KOK-Richtlinien)

Für diese Bademöglichkeiten war angeblich keine Aufsicht und keine Infrastruktur erforderlich, so dass jeder Badegast ohne Eintrittsgeld freien Zugang zu solchen Badeanlagen bekommen sollte. Dies waren allerings nur Argumente, um den Bau und den Betrieb solcher Anlagen kostengünstig zu rechnen - ein schwerer Trugschluss, den einige Gemeinden mit teuren Nachrüstungen bezahlen mussten. Selbstverständlich gelten auch bei diesen Badeanlagen die gleichen Aufsichtspflichten.

Nachdem die Wasserflächen mit nur 20 % Badefläche zu groß und zu teuer waren, ging man dazu über, 2 getrennte Wasserflächen herzustellen. Die eine Fläche wurde komplett zum Baden freigegeben, während die andere etwa gleich große Fläche als Regenerationsteich genutzt wurde. Jetzt begannen Stück für Stück immer umfangreichere Bauarbeiten und Betriebskosten ... und durch die wesentlich kleinere Regenerations-Wasserflächen immer größeren Probleme mit der Wasserqualität. Rechtliche Grundlagen, wie z. B. die Nutzung von nur 20 % der Gesamtwasserfläche wurden schlicht ignoriert. Mit Umwälzpumpen muss das Wasser aus der Badewasserfläche in den Regenerationsteich gepumpt und anschließend wieder dem Badesee zugeführt werden. Kosten für Pumpen, Rohrleitungen, Schachtbauwerke und die technisch qualifizierte Aufsicht waren die Folge.

Nachdem sich auch diese Form der getrennten Wasserflächen mit Regenerations-teich als nicht sinnvoll herausgestellt hat und die Wasserflächen für den Regenerationsbereich aus Kostengründen von manchen Planern immer weiter reduziert werden, spricht man inzwischen von einem "Zweikammersystem" und "Biofilterbecken", die gebaut werden, um das Wasser "biologisch" zu filtern und zu reinigen. Die Tatsache, dass inzwischen Flockungsmittel (wie im konventionellen Freibad) und teilweise auch pH-Wert-Korrekturmittel (wie im konventionellen Freibad) eingesetzt werden, wird gerne verschwiegen, gleichzeitig aber beim konventionellen Freibad von "Chemie" gesprochen.

Die rechliche Betrachtung dieser Badeanlagen ist ebenso undurchsichtig.

Rechtliche Vorgaben durch die KOK-Richtlinien und die Vorschriften der GUV (Gemeindeunfallversicherungsverbände) werden nicht immer eingehalten. Von den Planern solcher Anlagen wurden eigene "Richtlinien" aufgestellt, die sowohl in konstruktiver Sicht wie auch in Sachen Wasserhygiene so aufgestellt werden, dass die "Grenzwerte" noch eingehalten werden können und die baulichen Anforderungen möglichst gering sind.

Erst wenn für solche Anlagen endlich ebenso harte und zwingend einzuhaltende und vor Allem kontrollierte Vorschriften gelten, wie bei konventionellen Freibädern, werden die Betreiber eine rechtliche Handhabe gegen mögliche Fehlplanungen haben und Badegäste sich im "Schadensfall" wehren können.

Man kann nur hoffen, dass dies möglichst schnell und grundlegend geschieht.

 

"Badeteich" mit öffentlicher Nutzung

Insbesondere in den Ferienregionen der Alpen (besonders in Österreich) ging man dazu über, die vorgenannten Privatteiche etwas größer anzulegen und diese einem Hotel zuzuordnen. In der Folge wurden diese Bademöglichkeiten gemeinsam von mehreren Hotels und dann auch Kommunen betrieben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Dies war der eigentliche Beginn der Bademöglichkeiten, die heute als Ersatz für ein Freibad immer wieder angeboten und diskutiert werden. Alleine mit den Begriffen "Natur" und "Öko" wird also ein Bad angepriesen, das nichts mehr mit Natur zu tun hat. Die wesentlich größere Belastung des Wassers im Vergleich zu den Privatteichen oder anders herum das wesentlich geringere Wasservolumen und der völlig fehlende Wasseraustausch im Vergleich zu den Naturbädern wird absichtlich verschwiegen, um die daraus resultierenden Probleme und Gefahren ebenfalls zu verschweigen und teilweise sogar zu leugnen.

Die Planung solcher Anlagen stammte überwiegend aus Österreich. Planer und Firmen, die dort erste kleine Badeteiche realisiert haben, drängten immer stärker auf den deutschen Markt und versuchen hier diese Badeformen als Ersatz für Freibäder durchzusetzen. Hierbei werden nicht nur die erheblichen Probleme und Gefahren solcher Anlagen heruntergespielt oder gar geleugnet, sondern häufig auch mit völlig falschen Investiotionskosten und Betriebskosten "operiert", um diese Badeanlagen als günstiger und wirtschaftlicher gegenüber den konventionellen Freibädern darzustellen - meist mit verheerenden Folgen für die Betreiber. (Mehr hierzu unter "Vergleich zu Freibädern"

 

Privatteich

Der Wunsch nach eigenen Bademöglichkeiten im privaten Bereich führte zur Anlage sogenannter Privat-Badeteichen. Da diese nur sehr gering und nicht von der Öffentlichkeit belastet werden, sind diese bei entsprechender Wasserkontrolle relativ unproblematisch.

 

Bestehende natürliche Seen oder auch Baggerseen wurden teilweise zum Baden freigegeben. Hierbei handelt es sich in der Regel um die Nutzung eines Teils des Sees als Badefläche, während der übrige See als Regenerationsbereich dient. In diesen Fällen ist durch die unter "Typen" erwähnten Eigenschaften solcher Seen das Baden möglich.

 

Badesee
Strandbad

Die eigentlichen Naturbäder sind selbstverständlich an den vorhandenen natürlichen Gewässern entstanden, in dem die Wasserfläche durch besondere Einrichtungen (z. B. Stege) besser zugänglich gemacht wurden. Durch das Angebot an Umkleidemöglichkeiten und Sanitären Einrichtungen und die meistens erfolgte Ergänzung durch Kiosk etc. wurde aus einer Wasserfläche ein "Strandbad".

 

Bürosymbol
Architekturbüro Michael Gruner - Kernäckerstr. 65, 75334 Straubenhardt - Tel. 07082-929676 - Fax 07082 - 929677 - mail: info@architekturbuero-gruner.de
roter Strich