Thema
konventionelles Freibad
"Naturbad"
Grundstücksgröße Flächenverbrauch
  • geringer Grundstücksverbrauch
  • genug verbleibende Grundstücksfläche für Liegewiese und Spielbereiche
  • große Wasserflächen für Badewasser und Regenerations-/Filterbereich
  • deutlich größerer Grundstücksverbrauch
  • weniger verbleibende Grundstücksfläche für Liegewiese und Spielbereiche
Akzeptanz in der Bevölkerung
  • sehr gut und ungebrochen
  • keinerlei "Bedenken"
  • schlecht und skeptisch
  • große "Bedenken" wegen Wasserqualität
Besucherzahlen im Jahr
  • auch langfristig in der Regel deutlich steigende Besucherzahlen - nicht selten um 100 % mehr Besucher (je nach altem Zustand und neuen Einrichtungen)
  • überwiegend stark rückläufig
  • nur wenn keine richtigen Freibäder in der Umgebung erreichbar sind, können die alten Besucherzahlen fast gehalten werden
Saisondauer
  • ca. 120 bis 140 Tage (Beckenwassererwärmung!)
  • ca. 100 Tage
Wasserfläche je Badegast
  • 0,6 m² Wasserfläche je Badegast
  • mind. 5 m² Badewasserfläche je Badegast zuzüglich Regenerationsbereich
  • mindestens 10 m³ Wasservolumen je Badegast
  • auch bei wesentlich weniger Jahresbesuchern muss die Badewasserfläche demnach mindestens 2,5 bis 3 mal so groß sein
Schwimmsport
  • alle Möglichkeiten gegeben
  • Schwimmsport praktisch nicht mehr möglich, da nur in Ausnahmefällen der Beckenboden sichtbar ist und damit keine Tauchstreifen (Schwimmbahn-zeichnung) sichtbar sind
maximale Besucherzahl
  • im konventionellen Freibad gibt es keine Begrenzung der Besucherzahlen.
  • an besonders heissen Tagen stellt die überfüllte Liegewiese eine natürliche Belastungsgrenze des Freibades dar
  • an heissen Tagen, wenn der Badebedarf am größten ist, muss das Bad wegen Überfüllung geschlossen werden, wenn die maximalen Belastungsgrenzwerte überschritten sind.
wichtigste Vorschriften und Pflichten
  • KOK-Richtlinen für den Bäderbau
  • Sicherheitsregeln für Bäder (von Gemeindeunfallversicherungsverbänden)
  • DIN 19643 Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser
  • KOK-Richtlinen für den Bäderbau
  • Sicherheitsregeln für Bäder (von Gemeindeunfallversicherungsverbänden)
  • DIN 19643 Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser (nur für Kinderbecken!)
  • FLL-Richtlinien "Empfehlungen für Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von Schwimm- und Badeteichanlagen
  • Empfehlung Nr. 6 (2003) 527-529 des Umweltbundesamtes vom November 2003
 
  • sämtliche Sicherheitsrichtlinien für Bäder gelten für beide Badeformen gleichermaßen. Dies gilt insbesondere für Stehstufen entlang der Beckenwand in Schwimmerbereichen, Haltemöglichkeit entlang der Beckenwand, Treppen, Leitern, Beschaffenheit von Boden- und Wandflächen, Wassertiefen und Sicherheitsabstände, u. v. m.
  • die qualifizierte Badeaufsicht muss in beiden Badeformen gleichermaßen vorhanden sein
Wasserzufuhr in Badebecken
  • ist über KOK-Richtlinien, DIN 19643 und andere detaillierte Vorschriften klar vorgegeben
  • gleichmäßige Beflutung gefordert, dass keine "Totzonen" entstehen
  • Vertikalbeflutung empfohlen (= Wasserzuführung über den Boden)
  • FLL-Richtlinien ohne konkrete Forderungen
  • gleichmäßige Durchströmung bis mindestens 2 m Tiefe muss gewährleistet sein
Wasserüberlauf über Rinne
  • 100 % des umgewälzten Wassers muss über die umlaufende Rinne aus dem Becken abgeleitet werden
  • Oberflächenschmutz kann restlos abgeleitet werden
  • nach den FLL-Richtlinien müssen bei 1.000 m² Nutzwasserfläche nur 10 m Rinne und damit ca. 5 % des Beckenrandes mit einer Rinne versehen werden, über die das gesamte Wasser "umgewälzt" wird
  • bei 2.000 m² Wasserfläche nur 14 m Rinne und damit noch schlechter!
  • Oberflächenschmutz kann nicht aus dem Badebecken abgeleitet werden und bleibt somit im Wasser (Rasenschnitt, Sand, Laub, Blütenstaub, etc.)
Wasserumwälzung
  • diese ist über die DIN 19643 klar vorgegeben
  • eine klare Vorschrift fehlt
  • sogar Badeseeplaner wollen auf konkrete Nachfragen keine Auskunft geben
  • Umwälzmengen sind sehr unterschiedlich. Je nach Planer, System und Anlagengröße werden Umwälzmengen angegeben, die nur ein Bruchteil der erforderlichen Menge nach DIN 19643 erreichen und neuere Planungen liegen inzwischen weit über den Umwälzmengen eines konventionellen Freibades.
Wasserqualität
  • „Trinkwasserqualität" !!! nach Vorschrift!
  • 99,99 % aller eingetragenen Keime werden binnen 30 sec. im Becken (!) abgetötet.
  • unzählige Keime sind im Wasser „zulässig“
  • Gesundheitsrisiko kann immer bestehen!
  • Abtötung von Keimen im Badebecken unmöglich, da kein Desifektionsmittel im Wasser ist – nur Verdünnung durch Wasserzugabe möglich.
  • das "lebendige Wasser" enthält außer Keimen ja auch noch Algen und Wasserflöhe = Originalaussage eines "Naturbadplaners"!
Chlor im Wasser
  • Das Chlor ist ein Desinfektionsmittel
  • Der Chlorgehalt im Badebeckenwasser beträgt nach Vorschrift (!!) 0,3 - 0,6 mg/l
  • Der Chlorgehalt im Leitungswasser darf bis zu 0,1 mg/l betragen!
  • Auch im Leitungswasser, das definitiv Trinkwasser ist, wird also häufig Chlor zugegeben, um eine Keimbildung im Leitungsnetz vom Wasserwerk zum Endverbraucher so gut wie möglich zu verhindern
  • Zitat Gesundheitsamt: "Die Chlorung ist nach wie vor die sicherste und schnellste Methode zur Abtötung bzw. Verringerung krank machender Keime."
  • falls Chlor im Leitungswasser zugegeben wird und dieses als Füllwasser genutzt wird, so befindet sich auch in diesem Wasser Chlor!

pH-Wert des Badewasser

(dieser Wert ist überwiegend Ursache für rote und gereizte Augen!)

  • der pH-Wert wird permanent geprüft und durch die Zugabe von pH-Wert-Hebemitteln oder pH-Wert-Senkmittel konstant im Bereich zwischen 7,0 und 7,2 gehalten
  • der pH-Wert wird nicht permanent geprüft
  • die Grenzwerte liegen gem. FLL-Richtlinien zwischen 6,0 und 8,5 - in Ausnahmefällen sogar bis 9,0
Qualitätskontrolle des Badewassers
  • die Badewasserqualität wird permanent kontrolliert und aufgezeichnet
  • vollautomatische Badewasseraufbereitung garantiert die gleichbleibend hohe Wasserqualität
  • stichprobenartige Überprüfung der Wasserqualität im Abstand von 1 bis 2 Wochen durch die Gesundheitsämter
  • hierbei sind Entnahmestelle und Entnahmezeit sehr wesentlich! Wenn im stark belasteten Flachwasser- oder Kinderbereich an stark freqentierten Tagen nachmittags gemessen wird, werden die Ergebnisse völlig anders aussehen, als an Normaltagen am Vormittag im tieferen Wasser
  • Warum sollen nach den FLL-Richtlinien die Wasserproben in 30 cm Tiefe und mindestens 50 cm vom Rand entfernt genommen werden? Nur so besteht die Chance auf Einhaltung der geforderten Wasserparameter. Hierbei wird vergessen, dass die Badegäste aber an der Wasseroberfläche schwimmen und sich auch am Rand aufhalten.
  • Mehrere Wasserproben täglich durch Badepersonal erforderlich! = Personalaufwand!
Wasser im Kinderbecken
  • vorschriftsmäßig nach DIN 19643
  • gesamtes Beckenvolumen wird in 30 Minuten 1 x umgewälzt und gereinigt
  • nach der Empfehlung Nr. 6 (2003) 527-529 des Umweltbundesamtes vom November 2003 wird für die Kinderbecken eine Umwälzung nach DIN 19643 gefordert!
  • Einige Badeseeplaner missachten diese Vorschrift.
Frischwasserbedarf
  • für die Badewasseraufbereitung sind 30 Liter je Badegast und Tag erforderlich.
  • berücksichtigt man die erforderlichen Filterrückspülungen, so müssen im Mittel ca. 60 - 90 l je Badegast und Tag zugeführt werden.
  • Bei 30.000 Badegästen und 120 Tagen (!!) sind in der gesamten Saison ca. 1.800 - 2.700 m³ Frischwasser erforderlich
  • incl. der kompletten Beckenfüllung im Frühjahr (nach Grundreinigung) sind demnach ca. 3.000 - 3.800 m³ Frischwasser erforderlich
  • 3-5 % des Wasservolumens soll pro Tag als Frischwasser zugegeben werden.
  • bei ca. 2.000 m³ Wasservolumen (ca. 1.200 m² Wasserfläche) und 100 Betriebstagen sind je Tag ca. 60 - 100 m³ Frischwasser und in der Saison ca. 6.000 bis 10.000 m³ Frischwasser erforderlich (in Mühlheim an der Ruhr werden z. B. 1200 m³ pro Tag eingespeist !! )
Beckenwassererwärmung
  • Erwärmung bis 28° C möglich
  • erfolgt bei Freibädern in der Regel über Absorberanlagen (kaum Betriebskosten)
  • Erwärmung nicht möglich, da das Wasser maximal 23° C erreichen darf (Vorgabe des Umweltbundesamtes und der FLL-Richtlinien)
Wildvögel
  • Wildvögel gehen nicht in Badewasser
  • dennoch eingetragene Verunreinigungen (aus dem Flug) werden durch die Badewasserumwälzung und die ringsum verlaufende Überlaufrinne schnell ausgetragen und gleichzeitig durch das Desinfektionsmittel direkt im Becken "bekämpft"
  • keinerlei Gefahr für den Badegast
  • Wildvögel müssen zwingend aus der Badewasserfläche und den Regenerations-teichen / Filterbereichen fern gehalten werden! (auch außerhalb der Freibadsaison!) - nach Aussage eines Naturbadplaners müssen die Vögel notfalls abgeschossen werden
  • erhebliche Gefahr für die Badegäste durch Verunreinigung mit Bakterien!
Wartung und Pflege des Bades
  • mit vollautomatischer Beckenwasserumwälzung und vollautomatischer Filterrückspülung wird der Personalaufwand sehr gering gehalten
  • Reinigung der Schwimmbecken in der Regel mit automatischen Unterwasserrobotern in den Morgenstunden
  • 1 Mal im Frühjahr komplette Beckenentleerung und Grundreinigung
  • außerhalb der Freibadsaison ist kein Pflegeaufwand erforderlich = keine Personalkosten!
  • je nach "Wasserreinigungssystem" unterschiedlich
  • Reinigung von Folienböden oder bekiesten Bodenflächen wesentlich schwieriger und aufwändiger
  • wenn keine umlaufende Überlaufrinne vorhanden ist, muss zumindest der grobe Oberflächenschmutz von Hand abgeschöpft werden.
  • Im Falle einer erforderlichen Grundreinigung muss ein viel größeres Wasservolumen komplett abgelassen und nach der Reinigung wieder aufgefüllt werden
  • Regenerationsflächen müssen 12 Monate im Jahr "gepflegt" werden = deutlich mehr Personalaufwand = Kosten!
  • im Sommer teilweise mehrere Stunden täglich alleine zum Abschöpfen der Algen erforderlich
Haltbarkeit
  • bei den heute in Freibädern eingesetzte Edelstahlbecken ist die Halt-barkeit nahezu unbegrenzt - die ältesten Becken sind bereits 40 Jahre und keinesfalls sanierungsbedürftig
  • Die "Haltbarkeit" solcher Badebecken muss sich erst noch erweisen. Auf die eingesetzten Folien gibt es eine Garantie von 10 Jahren.
  • Da die Belastung der Folien besonders im Randbereich durch die Sonneneinstrahlung und mögliche mechanische Beschädigungen erheblich sind, sollten hier maximal 20-25 Jahre einkalkuliert werden - danach ist ein Austausch der Folie erforderlich.
  • Die immer wieder eingesetzten Holzkonstruktionen teilweise sogar unter Wasser sind höchst bedenklich und die Lebensdauer sehr begrenzt - danach wieder Sanierungskosten erforderlich!
Investitionskosten

Bei der Ermittlung und dem Vergleich der Investitionskosten darf niemals die gleich große Wasserfläche miteinander verglichen werden, sondern die Konzepte für gleich viele Badegäste. Da unabhängig von der Größe der Wasserfläche in ein konventionelles Freibad immer mehr Badegäste gehen, als in ein "Naturbad", können die tatsächlichen Investitionskosten nur "genau" verglichen werden, wenn die Investitionskosten auf die Anzahl der Badegäste umgerechnet werden.

Im konventionellen Freibad können mit weniger als 500 m² Beckenwasserfläche weit über 30.000 Jahresbesucher erreicht werden (siehe hierzu Projektbeispiele in dieser Homepage!)

Im "Naturbad" müssen weit über 1.000 m² Badewasserfläche (zuzüglich Regenerationsflächen) zur Verfügung gestellt werden, um bei den aktuellen viel umfangreicheren "Filteranlagen" etwa die gleichen Jahresbesucher zu bekommen. Hierbei muss auch beachtet werden, dass deutlich mehr Grundstücksfläche benötigt wird!

Kosten, Besucherzahlen und Betriebskosten für "Naturbäder" werden leider nur sehr selten veröffentlicht und sogar auf konkrete Nachfrage nicht mitgeteilt - warum wohl?!

Kosten, Besucherzahlen und Betriebskosten für konventionelle Freibäder können z. B. in dieser Homepage unter den präsentierten Projekten nachgelesen werden. Alle Angaben sind keine Schätzungen oder Berechnungen, sondern konkrete Abrechnungen der jeweiligen Bauherren.

Vergleich von "Naturbäder" und konvetionellen Freibädern

Beide Badeformen tatsächlich zu vergleichen ist sehr schwierig, da es so eklatante Unterschiede gibt. Nachfolgend werden nur die wichtigsten "Parameter" beider Badeformen aufgeführt und thematisch sortiert gegenübergestellt.

Im Fazit am Ende dieses Vergleichs wird klar herausgestellt, dass das, was als "Naturbäder" angeboten wird, kein Ersatz für konventionelle Freibäder sein kann, sondern höchstens ein zusätzliches Angebot darstellen kann, das wegen der wesentlich weniger Besucher und dem wesentlich größeren Platzbedarf und dem höheren Personalaufwand deutlich teurer ist, als jedes wirtschaftlich geplante und betriebene Freibad.

 

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